Sensibilität in Zeiten der digitalen Netzkultur

Bennohausmitarbeiter bei der Eröffnung der „Wochen gegen Rassismus“ im Rathaus dabei

Am 12. März verfolgten wir im Stadtweinhaus die Eröffnung der Münsteraner Wochen gegen Rassismus. Moderatorin Katrin Wejdling führte durch den Abend und begrüßte den beinahe voll besetzten Saal. In einem Grußwort betonten die Bürgermeisterin Wendela-Beate Vilhjamsson und der Vorsitzende des Integrationsrates, Dr. Ömer Lütfü Yavuz, die Wichtigkeit der Thematisierung von „Hatespeech und Rassismus“, gleichzeitig auch das Motto des Abends, und sprachen einen Dank an die für Münster außerordentlich wichtigen Migrantenvereine aus. Interkulturelle Öffnung, so Yavuz, sollte nicht nur für Münster ein selbstverständliches Ziel sein. Damit gab er das Wort an Kübra Gümüsay. Die Journalistin, Netzaktivistin und Bloggerin begann ihren Fachvortrag mit einer persönlichen Geschichte über Diskriminierung im Alltag. Als deutsche kopftuchtragende Muslima habe sie ausländerfeindliche Reaktionen selbst schon oft erlebt und ruft dazu auf, sich im Alltag nicht an Unrecht zu gewöhnen. Allerdings seien Hate Speech und Rassismus ebenfalls ein Problem der digitalen Netzkultur. „Public Shaming“ wird als ein Stichwort genannt: eine Person, eine Organisation oder eine Menschengruppe öffentlich an den Pranger stellen oder sogar Beleidigungen darüber verbreiten. Bereits vorherrschende Spannungen würden so nur noch mehr angeheizt. Das Internet sei in den heutigen Tagen immer mehr zu einer Plattform des sich öffentlich Profilierens geworden und fungiere an vielen Stellen wie ein Verstärker, so Gümüsay, wohingegen zu Beginn des Internets Begegnung und Information an oberster Stelle standen. Gefährlich sei der Aspekt, im Internet anonym bleiben zu können. „Kalkulierte Provokation“ sei ein im Internet immer häufiger zu beobachtendes Phänomen, welches das Auseinanderdriften der Menschen antreibe und sensiblen Debatten einen Nährboden für Hass biete. Die Frage, die es zu klären gelte, sei wie man das Miteinander konstruktiver gestalten könne. Die Journalistin ruft zu Sensibilität auf und betont, wie wichtig es sei, seine eigene Wahrnehmung immer wieder zu überprüfen. Im Anschluss trafen sich die Gäste der Auftaktveranstaltung noch zu internationalen Häppchen und Getränken zum Austausch.

 

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